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16. Januar 2025
Salon 72 mit Dr. Martin Tongbhoyai, Freischem & Partner, ehemaliger Präsident des Bundesverbands der Patentanwälte; Sebastian Osterrieth (Bariton); Katja Schlegel (Künstlerin, starstyling.com, Instagram: @katjarosine)
Am 16. Januar 2025 konnten wir bei unserem Salon Dr. Martin Tongbhoyai von Freischem & Partner, ehemaliger Präsident des Bundesverbands der Patentanwälte, den Bariton Sebastian Osterrieth sowie die Künstlerin Katja Schlegel begrüßen. Der Abend verband persönliche Lebensgeschichte, ehrenamtliches Engagement, Schubert und textile Kunst von Starstyling.
Dr. Martin Tongbhoyai hielt keinen abstrakten Vortrag über Berufsverbände oder berufsständische Arbeit, sondern sprach sehr persönlich über Verantwortung. Eindrücklich schilderte er, wie er als Kind und Jugendlicher immer wieder Rassismus begegnete. Er verwies auf seinen asiatischen Namen und sein halbasiatisches Äußeres und machte damit deutlich, dass gesellschaftliche Ausgrenzung nicht theoretisch bleibt, sondern sich in konkreten Erfahrungen niederschlägt. Gerade aus dieser persönlichen Perspektive entwickelte er seinen Appell, sich einzubringen und nicht am Rand stehen zu bleiben.
Mehrfach rief Tongbhoyai dazu auf, Gutes für die Welt zu tun. Sein Satz „Wer, wenn nicht wir!“ wurde zu einem Leitmotiv des Abends. Er berichtete von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Bundesverband der Patentanwälte, dessen Präsident er war, und von seinem aktuellen Engagement in einer elterninitiativ betriebenen Privatschule. Dabei wurde deutlich, dass Ehrenamt für ihn nicht bloße Ergänzung zum Beruf ist, sondern eine Haltung: Wer Möglichkeiten, Bildung, Erfahrung und berufliche Stellung hat, trägt auch Verantwortung dafür, diese nicht nur für sich selbst zu nutzen.
Den musikalischen Teil des Abends gestaltete Sebastian Osterrieth, begleitet von Ulrich Hildebrandt am Klavier. Osterrieth ist Rechtsanwalt der Kanzlei Hildebrandt. Rechtsanwälte, hat aber auch mehrere Semester Gesang studiert. Er sang drei Lieder aus Franz Schuberts „Winterreise“: „Gute Nacht“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“. Die Auswahl führte mitten in die emotionale Tiefe dieses Zyklus: Aufbruch und Verlassenheit, Erinnerung und Täuschung, Erstarrung und Einsamkeit. Osterrieths Vortrag verband stimmliche Gestaltung mit großer Ernsthaftigkeit und ließ die Lieder nicht als bloße Einlage erscheinen, sondern als eigenen, nachwirkenden Teil des Abends.
Den visuellen Rahmen bildeten die Arbeiten von Katja Schlegel. Sie führte an diesem Abend nicht eigens in ihre Werke ein, sondern ließ ihre Bilder wirken. Gerade dadurch traten Materialität und Präsenz der Arbeiten besonders hervor. Die abstrakten Werke von Starstyling bestehen aus Textilien und Textilklebern, häufig aus Resten und Fundstücken. Viele von ihnen scheinen den Bilderrahmen nicht als Grenze zu akzeptieren. Sie sprengen ihn, stehen über, entfliehen dem vorgegebenen Format. So waren die Bilder nicht bloße Dekoration, sondern eine eigenständige, stille Gegenwart im Raum.
So wurde der Salon zu einem Abend über Verantwortung, Tiefsinn und Form. Martin Tongbhoyai sprach über die Notwendigkeit, sich für andere einzusetzen. Sebastian Osterrieth gab der existenziellen Einsamkeit der „Winterreise“ musikalischen Ausdruck. Katja Schlegels Arbeiten zeigten, wie Kunst Begrenzungen überschreiten kann. Zwischen persönlichem Appell, musikalischer Tiefe und textiler Bildkunst entstand ein ernster, zugleich lebendiger Abend, dessen Leitfrage noch lange nachklang: Wer, wenn nicht wir?
Wir freuen uns auf das nächste Mal: Am 27.02.2025 sind Prof. Dr. Annette Kur, Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht, Meta Hildebrandt (Gesang) und Katja Schlegel (Starstyling) bei uns zu Gast. Dazu gibt es wieder Brot und Wein.