27. Februar 2025  

Salon 72 mit Prof. Dr. Annette Kur, Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht; Ulrich Hildebrandt (Klavier); Katja Schlegel (Starstyling); Pascale Hugues (Schriftstellerin)

Am 27.02.2025 konnten wir bei unserem Salon 72 Frau Prof. Dr. Annette Kur vom Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht, Katja Schlegel von Starstyling sowie die Schriftstellerin Pascale Hugues begrüßen. Angekündigt war außerdem die Sopranistin Meta Hildebrandt, die krankheitsbedingt leider absagen musste. Für den musikalischen Teil sprang Ulrich Hildebrandt ein und spielte Walzer von Frédéric Chopin in Moll.

Frau Prof. Dr. Annette Kur gab einen ebenso kenntnisreichen wie persönlichen Überblick über die gesetzgeberische Entwicklung des internationalen gewerblichen Rechtsschutzes. Dabei verband sie die großen Linien der Rechtsentwicklung immer wieder mit ihrem eigenen Lebensweg und schilderte anschaulich, an welchen Stellen sie selbst beteiligt war und mitgewirkt hat. Besonders interessant war, dass sie ursprünglich aus dem Verbraucherschutz kommt und die Marke lange gerade aus dieser Perspektive betrachtete. Die Marke erschien damit nicht nur als Ausschließlichkeitsrecht des Unternehmens, sondern auch als Orientierungshilfe für Verbraucherinnen und Verbraucher. Aus dieser Perspektive entwickelte sich der Blick auf ein Rechtsgebiet, das zunehmend internationaler, europäischer und komplexer wurde.

Im Anschluss an den Vortrag entstand eine angeregte Diskussion. Gerade weil Frau Prof. Kur nicht nur über Normen und Institutionen sprach, sondern über die Entstehung und Veränderung des Rechts aus eigener Anschauung berichtete, wurde deutlich, wie sehr der gewerbliche Rechtsschutz von Personen geprägt ist, die ihn über Jahrzehnte begleiten, kommentieren und mitgestalten.

Den musikalischen Teil des Abends gestaltete Ulrich Hildebrandt mit Walzern von Chopin in Moll. Er spielte sie nicht als entrückte Salonstücke oder als rein poetische Miniaturen, sondern bewusst als „Wiener Walzer“: deutlich tänzerischer, schwungvoller und körperlicher, als man diese Stücke häufig hört. Dadurch bekamen die Walzer eine überraschende Direktheit. Sie blieben romantisch und melancholisch, aber zugleich spürbar bewegt, fast gesellschaftlich, als erinnerten sie daran, dass der Walzer nicht nur Kunstform, sondern ursprünglich Tanz war.

Den visuellen Rahmen bildete die textile Szenekunst von Starstyling. Katja Schlegel führte in ihre Werke, deren Entstehung und ihren eigenen Werdegang ein. Die abstrakten Arbeiten bestehen aus Textilien und Textilklebern, häufig aus Resten und Fundstücken. Gerade daraus entsteht ihre besondere Energie. Viele Werke scheinen den Bilderrahmen nicht als Grenze zu akzeptieren. Sie sprengen ihn, stehen über, entfliehen dem vorgegebenen Format. So wirkten sie im Raum nicht wie bloßer Schmuck, sondern wie eigenständige, widerständige Objekte: stofflich, farbig, eigenwillig und mit einer Lust am Überschreiten von Begrenzungen.

Zum Abschluss erzählte Pascale Hugues von ihrem jüngsten Buch „Mädchenschule“. Dabei las sie weniger aus dem Buch, als dass sie frei und eindrucksvoll berichtete. Besonders berührend war ihre Schilderung, wie sie zur Feministin wurde, als ihr bewusst wurde, dass praktisch keine ihrer superintelligenten Klassenkameradinnen später Karriere gemacht hatte. Aus der Erinnerung an eine Schulzeit, in der Begabung, Witz und intellektuelle Stärke selbstverständlich erschienen, entstand die ernüchternde Frage, warum so viele dieser Möglichkeiten später nicht eingelöst wurden. Hugues erzählte davon mit großer Klarheit, ohne Pathos, aber mit Nachdruck. Auch an diesen Beitrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an.

So wurde der Salon zu einem Abend über Rechte, Rollen und Rahmen: über die Entwicklung des internationalen gewerblichen Rechtsschutzes, über Musik zwischen Melancholie und Tanz, über Kunstwerke, die ihre Begrenzung verlassen, und über Lebenswege von Frauen, denen lange weniger offenstand, als ihre Fähigkeiten erwarten ließen. Gerade die Verbindung dieser unterschiedlichen Themen machte den Abend besonders: nachdenklich, anregend und zugleich voller Bewegung.

Wir freuen uns auf das nächste Mal: Am 05.06.2025 sind Herr Matthias Harder (Vors. Richter am Landgericht Hamburg a.D.), der holländische Pianist (und Neuroforscher) Jorik Elberse und der Maler Roman Liška bei uns zu Gast. Dazu gibt es wieder Brot und Wein.